HosenHerbst #2


Heute geht es bei Meike mit dem HosenHerbst weiter. Die Ansprüche an die Passform werden heute thematisiert, und dazu kann ich eine ganze Menge sagen. So viel, dass mich Meike gebeten hat, einen Gastpost zu schreiben! Darüber habe ich mich riesig gefreut und bin ihrer Bitte sehr, sehr gerne nachgekommen. Also wundert Euch nicht, wenn Ihr bei Meike das Gleichen zu lesen bekommt ;-)

Passform I - Ansprüche 

Welche Passformmängel kenne ich von Kaufhosen oder selbst genähten Hosen? Zeigt her eure ungeliebten Hosen! Welche Anpassungen habe ich schon mal versucht, um Passformmängel zu beheben. Wie erkenne ich überhaupt Passformmängel und wie heißt mein Problem? Wo gibt es Informationen über Anpassungen? Wovor habe ich den meisten Respekt? 



Um eine halbwegs vernünftige Hose zu bekommen, die man tragen kann, habe ich viel rumprobiert. Dabei wage ich mal zu behaupten, dass ich gar nicht so viele Dinge berücksichtigen muss. Aber da ich nicht weiß, wie ich anfangen soll, ist es echt kniffelig, eine gut sitzende Hose zu nähen. Die ich im Übrigen immer noch nicht habe, aber ich arbeite daran.

Welche Passformmängel kenne ich von Kaufhosen oder selbst genähten Hosen?

Ich habe eine breite Hüfte und eine schmale Taille. Bei Kleidern ist das nicht so ein Problem, bei Hosen schon. Wo ein Kleid das kleine Hohlkreuz kaschiert, steht bei der Hose der Bund unschön ab, insbesondere im Sitzen. Dem Problem kann ich etwas entgegenwirken, indem ich Hüfthosen trage (bis dahin passt die Hose nämlich), aber das will ich ja auch nicht immer. Vor allen Dingen nicht im Herbst / Winter - da habe ich es gerne etwas wärmer um die Leibesmitte rum. Wenn ich eine Hose nähe, kann ich natürlich den Bund anpassen. Das ist auch machbar und von den Arbeitsschritten her verständlich. ABER das ist nicht das einzige Problem bei selbstgenähten Hosen.

Zeigt her eure ungeliebten Hosen!

Diese Hose wollte ich für den Kostüm-Sew-Along nähen. Wie unschwer zu erkennen ist: Großes, unschönes Passformproblem. Dabei passt die Hose um die Taille recht gut.



Und das ist die Hose, die ich für den SWAP gemacht habe. Bis jetzt habe ich es immer kaschiert, hier zeige ich es ganz ungeniert: Der Bund steht ab.



Wie erkenne ich überhaupt Passformmängel und wie heißt mein Problem?

Darf ich vorstellen? "Sanduhr-Figur" und "flacher Hintern", meine zwei Probleme. Seit ich die Problematik kenne, fällt sie mir auf: Einen flachen Hintern haben viele. Besonders gut zu sehen bei Männern in Anzugshosen. Die Hinterhose bildet Längsfalten unterhalb des Popos und an den Oberschenkel, weil zu viel Stoff und zu wenig Hintern da ist.

Welche Anpassungen habe ich schon mal versucht, um Passformmängel zu beheben? 

Enger und weiter machen - insbesondere am Bund - haben bestimmt schon alle mal gemacht. Oder auch die Länge der Hosenbeine korrigiert. Schwieriger wird es bei der Schrittnaht. Um den "Katzenbart" zu vermeiden, muss man ein bisschen rumspielen, und die Kurve der Naht testen. Steiler oder doch lieber etwas runder? Bei der Anpassung, die für mich von Bedeutung ist, muss ich unterhalb des Popos Stoff reduzieren. Aber wie nehme ich das weg? Lange, lange habe ich gesucht und wurde dann bei Ann Rowley fündig.



Wo gibt es Informationen über Anpassungen? 

Natürlich habe ich meine Bücher gewälzt, und mir zusätzlich noch das Heftchen "Pants for everbody" gekauft. Das ist zwar komplett auf Englisch, aber auch reichlich bebildert, so dass ich der Meinung war, ich könnte meine Problematik doch irgendwie lösen.



Kann ich aber nicht. Nicht mit diesem Buch. Also habe ich gegoogelt, was das Netz hergab, aber ich habe nichts gefunden. Bei der Hobbyschneiderin gab es mal einen bebilderten Hosennähkurs, aber ich weiß, dass ich dazu hunderte Seiten durchforsten muss, und ich will - ehrlich gesagt - keine Doktorarbeit aus meiner Hose machen und außerdem, muß ich zugeben, finde ich den Link dorthin nicht mehr. Ich bin nicht bereit, tagelang zu recherchieren, zu lesen, mir Seiten auszudrucken, und dann zu versuchen: Geht das bei mir auch so? Im Buch "Der große Fotoguide für die Perfekte Passorm" von Sarah Veblen ist auch lang und breit die Anpassung einer Hose erklärt - aber viel interessanter ist der Text, der zum Thema Hosenanpassungen geschrieben steht: „Der Bereich an einer Hose, der am schwierigsten anzupassen ist, ist der untere Rumpf. Versteht man, wie sich die Körpermaße in dem von der Hose geschaffenen Raum verteilt, werden der Anpassungsvorgang und die sich daraus ergebende Arbeit am Schnittmuster einfacher, insbesondere da einige Passformkorrekturen bei Hosen der Intuition widersprechen. Beim Anpassen einer Hose stellen Sie sich den Körper als eine Art Gehäuse vor. Sie haben es mit drei Dimensionen zu tun: (1) der Höhe, das ist der Abstand von der Taille bis zum Ende des Rumpfes; (2) der Weite, also dem Abstand von einer Körperseite zur anderen, und (3) der Tiefe, also dem Abstand von der Körpervorderseite zur Körperrückseite. Diese Dimension der Tiefe wird dadurch noch komplizierter, dass Sie sowohl die besondere Form der Beckenknochen als auch die Rundungen von Bauch und Gesäß berücksichtigen müssen.“ Ich glaube, wenn man sich das verinnerlicht hat, dann ist man schon einen großen Schritt weiter.

Wovor habe ich den meisten Respekt?

Ich muss echt viel um die Ecke denken, vorausschauend arbeiten und immer berücksichtigen, dass Änderungen bei Hosen selten mit einem Arbeitsschritt getan sind. Bei Kleidern versuche ich, meine Rückenlinie nachzuformen, oder ich achte darauf, dass die Hüfte etwas ausgeprägter ist, aber bei der Hose ist es echt schwierig. Für mich. Mit meinem Kenntnisstand.

Das Hosenthema kam in der Bloggergemeinschaft gut an. Es ist toll zu sehen, wie viele sich gefunden haben, um all ihre Erfahrungen bei Frau Crafteln zusammenzutragen. Nochmal ein großes Dankeschön für die Organisation! Und jetzt bitte hier entlang.

Kommentare

  1. grade bei den Sanduhr-Figuren,wenn der bund nicht in der Taille sitzt sollte etr immer ein en bogen haben sinst wirst du immer den abestehenden bund haben. es ist so. wenn man 3D deminsional denkt, versteht man schnell,.warum es anders unmöglich ist, den bund an den körper anzulegen.und natürlich muss man in die HM Linie nach oben "anlegen" ,weg nehmen.
    die Seitennaht sieht super aus.somit kannst du ja nur an der HM arbeiten.
    bzgl. bücher zur Passform.
    glaub mir- du brauchst keins davon. ich ahbe vieles gesehen, helfen-tun sie nur bedingt. das wichtigste und meiste lernst du nur durch korrektur an dir und Auswirkungen deiner handlungen. daher werde ich dir gar kein buch dazu empfehlen. ujnd schon gar nicht zu den hosen.
    ich sehe Kilometer weit die hosen,die von einem schneider kommen,der nichts anderes näht als nur hosen. und ich kenne auch unter Profis einzelnen,die sich wirklich mit hosen auskennen.

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  2. Danke für deinen sehr ausführlichen Post.
    In einer Sache muß ich Julia absolut recht geben: Bücher helfen nur bedingt...

    Liebe Grüße
    Susan

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  3. Ein guter Post, der deine Gedanken zu diesem Thema nachvollziehbar schildert. Gerade Hosen passend für die eigene Figur zu ändern, finde ich schwierig. Daher erhoffe ich mir vom HosenHerbst Anregungen und Ideen, meinen Kenntnisstand zu erweitern. Vielen Dank für deinen Beitrag. LG Frau Neu

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  4. Du beschreibt hier so ziemlich mein Problem :-) Und dieses Büchlein hilft tatsächlich nicht, aber was tut man nicht alles, um eine passende Hose zu bekommen :-). Ich werde auf alle Fälle öfter bei Dir reinschauen!
    VG SuSe

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  5. Ich habe bei dir mal wieder reichlich dazugelernt-danke fürs Zeigen.
    LG von Susanne

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