HerbstJSA Teil 3 - Die Katastrophe ist nahe

Heute findet bei Chrissy das 3. Treffen für den HerbstJackenSewAlong statt. Passend zum Thema "Welche Hürden tun sich auf?" bin ich - ehrlich gesagt - ganz kurz davor, die Brocken hinzuwerfen. Es läuft nichts so, wie ich mir das gedacht habe. Ich bin enttäuscht vom Stoff, vom Schnitt und eigentlich auch von mir. Aber jetzt erstmal von vorne.

Beim Zuschneiden habe ich mir Gedanken über die Taschenklappen gemacht. Diese sollten doppelt genäht werden, was mir aufgrund der Dicke meines Stoffes ein wenig Kopfzerbrechen bereitet hat. Ich hatte die Befürchtung, dass die Klappen abstehen, dass das alles zu dick und zu wulstig erscheint. Letzen Endes habe ich die bereits zugeschnittenen Klappen in den Mülleimer geworfen, zumal ich dachte, es wären eh nur Fake-Klappen, denn einen Taschenbeutel habe ich im Schnitt nicht gefunden. Mist!! Wie kann das sein? Ich nähe einen Mantel ohne Taschen?? Zu dem Zeitpunkt sank meine Näh-Lust auf den Tiefpunkt. Schwer enttäuscht von mir, dass ich ein für mich so wichtiges Detail nicht berücksichtigt habe, hätte ich am liebsten die restlichen Schnitteile auch in die Tonne gestopft.

Nachdem ich ein Weilchen gejammert habe, ging ich doch ans Werk. Bringt ja nichts. Der Stoff war zu teuer, um ihn einfach zu entsorgen. Und wenn der Mantel halt keine Taschen hat, dann hat er halt keine.

Zum Nähen habe ich im Übrigen meinen Obertransporteur genommen. Der Fuß kämpft sich hervorragend durch den Stoff. Als ich die Schulternähte geschlossen hatte, bin ich das erste Mal reingeschlüpft und habe festgestellt, dass er - ungesäumt - genau die Länge hat die ich gerne hätte. Aber wie gesagt: Ungesäumt.

Scheißegal, weitermachen.

Beim Kragen habe ich ganz deutlich gemerkt, dass der Stoff einfach zu dick ist. Es sieht nichts aus. Damit Ihr wisst, von ich spreche, seht selbst:


Der Mantel ist nicht nur fünf Zentimeter zu kurz, er ist auch noch sehr schwer. Hätte mir die dusselige Stoffverkäuferin nicht abraten können, als ich ihr sagte, dass daraus ein Mantel werden soll? Es scheint einfach nicht mein Projekt zu sein.

Auf alle Fälle ist klar, dass ich ohne Schulterpolster nicht auskommen werde. WENN ich das Ding fertig mache.


Seht Ihr, wie aufgedunsen das alles ist? Das ist doch nicht schön! Ich könnte die vorderen Kanten aufeinander steppen, aber ich habe die Befürchtung, dass ich dann eher eine Wurst habe, als platte Kanten.

Das ganze erinnert mich an aufgespritzte Lippen. Natürlich könnte ich jetzt einfach weitermachen, und am Ende sagen: Das ist mein Ch*ara-Oh*ven-Mantel, aber will ich das wirklich?

Die Ecken vom Kragen muss ich mit der Hand nähen, weil das Füßchen da einfach nicht hinkommt. Es sind zu viele Stofflagen, die da aufeinander treffen.

Außerdem frage ich mich: Wie soll ich den Mantel säumen? Mal von der Länge abgesehen: Wenn ich den Saum rumklappe, dann habe ich da genauso einen Wulst wie am Kragen und an den vorderen Kanten. Plattbügel ist nicht.
Und wie soll ich da Knopflöcher machen? Sieht das was aus? Oder nähe ich doch besser Druckknöpfe an?

Beim Futter-Zuschneiden ist mir dann auch aufgefallen, dass der Mantel doch Taschen hat. Die Taschenbeutel sind rechteckig und werden komplett aus Futter genäht (ist auch auf dem Futterplan gut zu erkennen). Bei einem anderen Stoff hätte ich die Nähte aufgetrennt und die Taschen noch reingenäht, aber bei dem dicken Stoff, wo der Faden praktisch versunken ist, lass ich es jetzt. Basta.

Der Mantel hängt jetzt erstmal auf der Puppe und wartet, wie sich meine Gesinnung entwickelt. Am liebsten würden ich alles wegwerfen und nochmal von vorne anfangen. Mit einem dünneren Stoff.


Es ist aber nicht so, dass ich nur ein Mantel-Projekt am Laufen habe. Neeiin, natürlich habe ich noch ein Cape, von dem ich hier schon berichtet habe.
Weil das mit dem Mantel und mir nicht so gut läuft, wollte ich das Cape füttern - so als kleines Erfolgserlebnis für zwischendurch. Dazu habe ich einen Satinstoff gewählt, der mir irgendwann mal als Ersatzstoff mitgeschickt wurde. Was anderes außer Futter wäre der eh nicht geworden. Er ist nicht nur nicht schön, sondern auch denkbar rutschig. Aber mir inzwischen auch wurscht, ich schuster die Futterjacke zusammen. Kleine Fältchen werden wie immer in Kauf genommen, weil sie zum Glück keiner sieht. Und das ist der Zwischenstand bei Cape:

Dieses Projekt scheint mir wohler gestimmt, aber ich habe noch die Schlitze vor mir.
Neuland.
Immer ein Abenteuer.....

Was meint ihr? Ist der Mantel noch zu retten? Soll ich ihn fertig nähen und als Mahnmal fürs nächste Mal in der Ecke hängen lassen? Habt Ihr Erfahrungen mit so einem dicken Stoff (1/2 cm, Walk-Woll-Fussel, aber nicht franselnd)? Soll ich den Mantel vergessen und mich lieber dem Cape widmen?

Links:
HerbstJSA Teil 1
HerbstJSA Teil 2



Wiederholungstat

Nachdem ich neulich meinen englischen Rock gezeigt habe, stellte ich mir die Frage, ob ich diesen Schnitt nochmal nähen sollte. Es ist nämlich so: Ich habe noch nie einen Schnitt zweimal genäht, weil ich das absolut langweilig finde. Immer und immer wieder den gleichen Rock / das gleiche Kleid? Öhm - eher nicht. Auch, wenn ich jedesmal einen anderen Stoff nehmen würde ... Nein. Trotzdem hebe ich jeden Schnitt auf, den ich abgepaust habe. Man weiß ja nie.

Also, zurück zu meinem Rock, den ich ein zweites Mal nähen wollte.
Ich habe einen roten Stoff als Restestück in einer Grabbelkiste bei Karstadt gefunden. Rechte Seite Wildleder(imitat), linke Seite glänzend und glatt. Perfekt für einen Rock! Also holte ich den Schnitt aus der Versenkung, und begann mit dem Zuschnitt. Mein roter Stoff war leider 10 cm zu kurz, um den kompletten Rock einschließlich Gürtel daraus zu nähen, also beschloss ich, die Patten, die Gürtelriegel und den Gürtel selbst aus schwarzem Stoff zu nähen.

Nachdem ich alle Rockteile mit der Ovi versäubert hatte, ereilte mich leider ein wenig die Unlust, und sie war auch noch nicht ganz wieder da, als ich mit dem Nähen anfing. Das führte dazu, dass ich einen Fehler nach dem anderen machte. Mehrfach musste ich Nähte auftrennen, was bei rotem Garn auf rotem Stoff wahrlich kein Vergnügen ist!


Früher hätte ich das Ding schon längs in die Ecke gepfeffert; inzwischen boxe ich mich durch.


Auf den ersten Blick mag der Rock ganz gut aussehen, aber das täuscht. Leider. Der Rock verzieht sich und der Stoff stellt sich als ungeeignet heraus.



Die Knopfleiste ist windschief, die Falten legen sich nicht richtig. 


Das Rot ist mir inzwischen zu seicht, zu matt, zu wischi-waschi-fast-schon-rosa. Das kommt dabei raus, wenn man Stoff unter Kunstlicht kauft. Da kann man sich schonmal täuschen.

Auch, wenn das jetzt eher ein Griff ins Klo war: Grundsätzlich kann ich den Schnitt 107 aus der Burda 08/2009 nur empfehlen. Mit dem richtigen Stoff ist er toll!

Und jetzt widme ich mich wieder neuen Projekten, aber vorher gehe ich mal rüber zum RUMS; mal sehen, was es da heute so alles gibt.

HerbstJackenSewAlong #2

Schwups - und schon läd uns heute Karin zum 2. Treffen des Herbst Jacken Sew Along ein. Die zwei Wochen gingen ziemlich schnell rum, vor allen Dingen, wenn man sich 13 Tage nur mit Stoff und Futter beschäftigt.

Der Stoff für den Mantel war relativ schnell gefunden. Nichts spektakuläres, ein graues Woll-Gemisch, der preislich noch im Limit lag.

Mit dem Futter habe ich länger rumgemacht. Gerne hätte ich auch einen Windbreaker als Zwischenfutter verwendet, aber bei 3,5 Meter Stoff kommt schnell eine stolze Summe zusammen. Also habe ich mir Zwischenfutter, Windbreaker & Co. aus dem Kopf geschlagen. Vielleicht mache ich das mal bei einer Jacke, die nicht ganz so lang ist. Dafür habe ich aber gutes Futter (100 % Viskose) zu einem tollen Preis bekommen. Und dann kommt ja auch noch die Einlage hinzu.
Unterm Strich habe ich Materialkosten für etwa 85 Euro. Soviel zum "Selber nähen ist ja billig."


Beim Zuschneiden kamen mir echte Zweifel, ob ich meiner Maschine und mir mit diesem Stoff (der in Wirklichkeit um einiges dunkler ist, als auf dem Foto) einen Gefallen getan habe. Der Stoff ist einen halben Zentimer dick - und er fusselt wie Hölle. Den Tisch habe ich nach dem Zuschneiden zwei Mal abgewischt, das Bügelbrett war nach dem Aufbügeln der Einlagen mit schwarzen Flusen übersät, und ich will nicht wissen, wie meine Maschine aussieht, wenn ich die ersten Nähte genäht habe.

Das Futtervorderteil muss extra abgepaust werden. In der Anleitung steht: Das Vorderteil bis zur Besatzlinie extra abpausen. Von der Teilungsnaht bis zur Abnäherspitze eine waagrechte Linie einzeichnen und einschneiden. Längsabnäher zulegen und die Querkanten am unteren Abnäherende zukleben. So entsteht ein Brustabnäher für das Futterteil (s. Zuschneideplan).

Zuerst habe ich mal wieder nur Bahnhof verstanden. Von welcher Teilungsnaht war denn die Rede? Was meinen die mit "Längsabnäher zulegen"? Ich habe meine Folie auf das Schnittmuster gelegt, und erstmal die Besatzlinie nachgezogen. Dann die Schulternaht, Armausschnitt, und die untere Seitennaht. Die ist wohl hier als Teilungsnaht gemeint. So sah es dann aus:

Den senkrechten Strich bis zur Abnäherspitze habe ich auch eingezeichnet (den Abnäher natürlich nicht). Genau diese Linie habe ich eingeschnitten, und dann lassen sich die beiden Linien zusammenfügen. Das ist mit Zulegen des Längsabnähers gemeint.


Und auf dem Zuschneideplan für das Futter sieht das Teil Nr. 1 auch so aus:


Ich habe alle Teile vorschriftsgemäß mit dem dafür vorgesehenen Vlieseline beklebt. Kragen- und Klappenteile mit G 785, die Vorderteile, Saumzugaben, Schulter- und Rückenpartien mit H 410. Die Mühe war es mir wert, denn der Stoff ist recht schwer, und ich will nicht, dass der Mantel nach dreimal Tragen ausgeleiert ist. Das einzige, womit ich noch hadere, sind Schulterpolstern. Ich mag diese Dinger einfach nicht, aber ich habe die Befürchtung, dass ich sie diesmal brauche.

Links:
Treffen des HerbstJackenSew Along
Mein HerbstJSA #1

Me made Mittwoch - Very britisch!

Die meisten Kleidungsstücke, die ich selbstgenäht habe, bekommen im Laufe ihrer Entstehung einen Namen. Jetzt nicht Anja, Bettina, Claudia.... oder so, sondern eher einen Titel. Den Rock, den ich Euch heute zeige, ist der "englische Rock".


Es ist der Schnitt 107 aus der Burda 08/2009, und es ist einer der ersten Röcken, die ich mir gemacht habe. Die Länge war anfangs sehr gewöhnungsbedürftig, und ich habe den Rock ewig nach oben gezogen, aber inzwischen finde es ganz okay.
 
Warum jetzt "englischer Rock"?
Erstens ist er aus einer britischen Fotostrecke der Burda (Very Britisch - oder so).
Zweitens erinnert mich der Stoff (grüner Fischgrat) irgendwie an England. Mein Mann ruft immer: "Der Jäger aus Kurpfalz!" wenn er mich mit dem Rock sieht, aber ich  muss an England denken. So hat jeder seins ;-)

Der Rock ist ein Wickelrock. Die rechte Knopfleiste ist zur Zierde, die linke funktioniert.
Und die Taschen sind auch echt.

Obwohl ich noch nie einen Schnitt doppelt genäht habe, wäre das ein Kandidat, der eine Wiederholung verdient hätte!

Mehr selbstgenähte Kleidung gibt es drüben auf dem MeMadeMittwoch-Blog, heute angeführt von der strahlenden Katharina.

Reverskragen mit Abnäher

Früher, als ich mit dem Nähen anfing, habe ich mich mehrfach kräftig bei Burda beschwert. Diese Anleitungen! Wer soll die denn verstehen? Anfänger?? Im Leben nicht!!!

Natürlich ging Burda nicht auf mein Gejammer ein. Und ich sag mal so: Jetzt ist es mir auch ein bisschen peinlich, denn wenn man ein bisschen Erfahrung gesammelt hat, und einfach das macht, was in der Anleitung steht, ist es kein Hexenwerk mehr. Aber ohne Erfahrung ist es wirklich kein Zuckerschlecken, und eigentlich ohne ein paar Nähkurse nicht zu schaffen.

Jetzt nähe ich schon ein paar Jahre, und habe mir in dieser Zeit eine Menge angeeignet. Die Anleitungen von Burda sind keine Angstgegner mehr. Meistens jedenfalls ;-)

Seit etwa zwei Wochen habe ich ein Projekt auf meiner Püppi hängen, was eigentlich schon längst fertig und in Betrieb sein sollte, aber diese Anleitung.... Diesmal hat sie mir mal wieder Kopfzerbrechen bereitet.

Es handelt sich um ein Cape mit Reverskragen (Schnitt 123 aus Burda 8/2014). Nicht weiter schwer - Kragen kann ich inzwischen nähen. Allerdings hatte ich bisher noch nie das Vergnügen mit Abnähern, die auch noch mitgenäht werden wollen. Und dann sollen die auch noch 8 cm eingeschnitten werden... Oh weh. Aber ich habe Vertrauen, greife beherzt zur Schere und schneide 8 cm ein. Zack.

Ich arbeite laut Anleitung weiter, bis es heißt: "Kragen zwischen Cape und Besatz legen. Den Unterkragen vom Querstrich bis zum Abnäher an den Halsausschnitt steppen."

Diesen Passus habe ich zig-mal gelesen, aber das Hebelchen in meinem Kopf wollte sich einfach nicht umlegen. Deswegen hing das Cape auf der Puppe, und oben auf dem abgeschnitten Hals steckte der Kragen fest. Zwei Wochen lang. In dieser Phase eines Projektes habe ich auch nicht wirklich Lust, etwas neues zu beginnen, weil es mich eigentlich fuchst, dass ich das nicht raffe. Ich schleiche einfach nur um das Cape und denke: Verstehe es doch endlich!

Und dann macht es auf einmal "Klick!" und es geht fast wie von allein.


Hier seht Ihr das Vorderteil; die sichtbare Naht links ist die Steppnaht vom Beleg. Die endet am besagten Querstrich. Das blaue Teil oben ist der Kragen. Und der Schlitz ist der eingeschnittene Abnäher. Ich nähe jetzt den Kragen vom Querstrich bis zum Schlitz - das ist nicht viel.

Die Naht ist ein bisschen schwer zu erkennen. Ich nähe auch nicht bis ganz zum Schluss, sondern lasse etwa 1 cm vor dem Abnäherschlitz offen.

Jetzt geht es weiter: "Von der rückwärtigen Mitte den Unterkragen an den Halsausschnitt steppen, fortlaufend den Abnäher steppen."

So. Der Knoten im Hirn war perfekt, aber es ist wirklich nur eine Naht:

Die Naht beginnt hinten an der rückwärtigen Mitte (die Nadel links steckt hochkant), und der Rest ergibt sich von allein. Während ich den Kragen auf den Hals stecke, legt sich der Abnäher schon so hin, dass er "fortlaufend" genäht werden kann.


Die hautfarbene Stoffpartie ist der verstärkte Kragen, der dunkle Stoff ist das Vorderteil, die Nadeln stellen die Naht des Abnähers dar.

Der Rest vom Kragen ist bekannt, und auch nicht weiter schwer. Nähen, Nahtzugabe einschneiden, weiter nähen und fertig ist das Ding:

Jetzt wird das Futter genäht. Mal sehen, welche Stolpersteine die Anleitung noch so auf Lager hat.....

Verlinkt beim CreaDienstag - der Treffpunkt für kreative Menschen.