Immer. Wieder. Der Kragen, Teil 2

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von "Der Kragen, das verflixte Etwas".
Im ersten Teil habe ich schon geschrieben, wie es NICHT geht.
Wie ein Kragen NICHT zusammengenäht wird, das eine Kragenaußenkante nicht gleich eine Kragenaußenkante ist, und wo der Ansatzpunkt ist.

Die Ansatzpunkte eines Kragens haben mich schon viel Nerven gekostet. Wenn man keine Ahnung davon hat, hat ein Kragen nämlich ganz schön viele Ansatzpunkte. Zwei davon habe ich hier mal mit einem Pfeil gekennzeichnet.


Bei meiner Ottobre-Jacke habe ich die Ansatzpunkte (und scheinbar auch den Querstrich) völlig ignoriert. Der Kragen passte (ich glaube, das Modell hat keinen Steg), und deswegen habe ich auch nicht weiter nachgeforscht, ob das auch RICHTIG ist, was da passt.

So soll die Jacke aussehen, wenn der Kragen richtig genäht ist. Die mit den Pfeilen gekennzeichnete Naht fehlt bei mir völlig. Wahrscheinlich würde sich der Kragen auch besser legen, wenn man ihn richtig an die Jacke genäht hätte. Bei mir liegt er flach auf den Schultern, aber in Wirklichkeit sollte er stehen.


Na ja. Aber ansonsten ist die Jacke ganz schön. Bis auf den Kragen, der vorne nicht richtig genäht ist, und sich hinten hochzieht.


Das kann passieren, wenn der Oberkragen nicht einen Zacken größer ist, als der Unterkragen. In den Beschreibung steht oft: "ein wenig Mehrweite anschieben". Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Also: Den Oberkragen ein wenig größer zuschneiden, dann hat man auch das bisschen Mehrweite.

So, jetzt geht es aber endlich mit dem Annähen los. Der Kragen wird zwischen Jacke und Besatz geschoben.
Zur Erinnerung: Der Besatz ist vom Querstrich an den vorderen Kanten bis runter schon mit der Jacke vernäht. Und zwar ganz genau vom Querstrich an, sonst könnte es jetzt zu Problemen führen.

Der Unterkragen liegt rechts auf rechts auf der Jacke, die kleinen Einkerbungen im Steg treffen auf die Schulternähte der Jacke.


Jetzt wird genäht, und zwar von der Einkerbung bis zur Ecke. Genau bis zur Ecke. Ich stecke mir eine Quernadel, über die ich nicht drübernähen darf.

Anschließend wird die Nahtzugabe der Jacke in dieser Ecke eingeschnitten, bis ran an die Naht. Jetzt wird die Längskante genäht (von der Ecke bis zur Nahtzahl 5). Und jetzt wird auch deutlich, warum es so wichtig ist, den Besatz exakt vom Querstrich an zu nähen.


Der Kragen kommt nämlich von hinten, und entweder würde er nicht passen (wenn schon vor dem Quertrich genäht wurde) oder es wäre ein Loch da (wenn nach dem Querstrich mit dem Nähen begonnen wurde).

Die nächste Naht, die ich mache, ist die hintere Naht, zwischen den beiden Querstrichen, die am Steg sind. Ich nähe geradewegs durch, bis zur Ecke. Jetzt wird wieder eingeschnitten, und weitergenäht.

Das war´s. Der Unterkragen ist drin. Was ich lernen musste, ist das wirklich auf den Punkt genaue Nähen. Woanders ist es nicht so schlimm, wenn man die Naht nicht bis zum Ende näht, oder etwas drüber hinaus - bei den Ecken am Kragen wird das definitiv nicht funktionieren.

Der Oberkragen wird genauso gearbeitet.


Er wird an den Besatz genäht, und auch hier wieder schön bis auf den Punkt genau nähen. Wenn in den Ecken etwas sperrt, dann ist das vielleicht der Stich zuviel.


Ich habe die Nahtzugaben der Kragenansatznähte noch aufeinandergesteppt, und bin jetzt fertig mit dem Kragen.

War gar nicht so schwer ;-)

Kommentare

  1. Sehr schön und sehr anschaulich - ich bin sicher, ich könnte diesen Kragen nun auch nähen, aber dummerweise liegt gerade ein völlig anderer unter der Maschine ;)

    Und das mit dem Ober- und Unterkragen hat sich mir auch lange nicht so richtig erschlossen, aber dank Fachliteratur habe ich es inzwischen verstanden. Manchmal hilft ja probieren auch mehr als studieren und dann weiß man auch wie es hätte sein müssen - aber schöner ist doch wenn man es schon vor dem Nähen verstanden hat :)

    Danke für die schöne (akurat genähte) Bilderstrecke und die Erklärungen!

    AntwortenLöschen
  2. Ich bin also nicht allein mit meiner Kragen-Phobie ;)
    Vielen Dank für die aufschlussreichen Bilder!
    Liebe Grüße, Nadine

    AntwortenLöschen
  3. Dein Blogtitel hat mich neugierig gemacht.
    Also purer Zufall wäre es bei mir - bei dir sieht es toll aus - und nach Plan.

    Mir gefällt was ich sehe - toll - das ist schon was für den Meisterkurs :-)


    Liebe Grüße - Monika

    AntwortenLöschen
  4. Ohhhh ich kann dir gar nicht genug für diesen Artikel danken - ich Nähe gerade einen Mantel für mein Patenkind und wäre am Kragen beinahe verzweifelt ... dein Artikel "wie man es nicht macht" hat mir sehr geholfen - Danke :-)

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich freue mich sehr darüber!