Erste Annäherung mit der Zeitschrift "Nähtrends"

Ich hatte Pfingsten so viel vor. Die schlechte Wetterprognose kam mir recht - so hatte ich wenigstens kein schlechtes Gewissen, wenn ich mich im Nähzimmer verkriechen sollte.

Pfingstsonntag wurde dann allerdings ein klassischer Couch-Tag. Wir haben uns House of Cards reingezogen. Ich konnte mich einfach nicht losreißen; die Serie ist süchtigmachend.

Abends, nach dem Essen und der letzten Gassirunde habe ich dann doch noch die Kurve gekriegt und bin ins Nähzimmer abgebogen. Schließlich wollte ich mich mal an der Zeitschrift "Nähtrends" versuchen und hatte mir dazu einen einfachen Blusenschnitt rausgesucht.


Diese hier sollte es werden, cool und lässig getragen, mit einem Haken als Verschluss und keinen weiteren Schnickschnack wie raffiniere Abnäher oder sowas. Sogar den vorgeschlagenen Stoff hatte ich zu Hause; einen schönen Krepp, der einen tollen Fall hatte und wie gemacht war für diese Bluse.

Die Beschreibungen in dieser Zeitung sind - im Gegensatz zur Burda - ziemlich kurz gehalten. Sie dienen wohl eher als Anhaltspunkte, aber da es "nur" eine Bluse war, habe ich mir das ohne Weiteres zugetraut.

Allerdings habe ich schnell die Näh- und Passzeichen aus der Burda vermisst. Die Schulternähte sollten geschlossen werden, aber am Vorderteil konnte ich durch den angeschnittenen Beleg nicht klar erkennen, wo die Schulternaht enden soll.Zusätzlich hat mich die technische Zeichnung etwas verwirrt, denn so wie es dort dargestellt war, hat es bei mir überhaupt keinen Sinn ergeben.

Auf der technischen Zeichnung ist nämlich nicht zu erkennen, dass diese Bluse einen Schalkragen hat. Überraschung.

Also, nichts ahnend, dass dieser Zippel am Vorderteil nicht der Beleg zum Versäubern vom rückwärtigen Halsausschnitt ist, habe ich erstmal weitergenäht. Die Manschetten kamen nämlich jetzt an die Reihe. Das Schnittteil sieht so aus:


Klar zu erkennen sind die Knopflöcher und die beiden Markierungen, wo offensichtlich die Falten von den Ärmeln hinkommen. Was mich hierbei sehr irritiert hat, war folgende Formulierung in der Anleitung: Sollte der untere Ärmelrand weiter sein als die Manschetten, eine doppelte Raffung am unteren Ärmelrand vornehmen oder die Faltung laut Schnittmuster heften.

Äh, ja - wie jetzt? Obwohl das Maßteile sind, kann es sein, dass da was nicht passt?? Verstehe ich nicht. Es ist doch auch schon alles gekennzeichnet. Aber das ist nur für den Fall der Fälle? Sehr seltsam.

Ich hab das mal geflissentlich überlesen und einfach weitergemacht, wie es in der Anleitung steht. Die Manschette wird am Umbruch gefaltet und die Enden sowie der untere Rand der Manschettenverlängerung geschlossen.

Das hat sich als richtig rausgestellt. Nix war zu groß. Die Manschette passt an den Ärmel dran. Den Schlitz habe ich anhand einer Burda-Anleitung versäubert. Ich wollte es ordentlich haben.



















Von Knöpfen oder Knöpflöchern ist jetzt auch nicht mehr die Rede. Auch beim aufgeführten Material sind keine Knöpfe erwähnt.

So. Als nächstes mussten die Ärmel eingesetzt werden. Ich war sehr gespannt, wie der Ärmel passt, denn er erschien mir recht schmal. Und auch ein bisschen kurz, aber da verschätze ich mich öfter.

Der erste Ärmel war eine Katastrophe. Ich hatte ca. 1 Millionen Stecknadeln zur Hilfe genommen, und damit ging es dann. Eine Nähkursleiterin, die ich sehr mochte, hatte mal gesagt: Ein Ärmel geht immer schlecht, der andere dafür umso besser einzunähen.
Da muss ich immer dran denken, wenn ich mit der Mehrweite kämpfe, und dann hoffe ich, dass ich jetzt gerade den schlechten Ärmel einnähen, und der gute Ärmel noch kommt.

So war es bei der Bluse gewesen. Der zweite Ärmel rutschte fast alleine ins Armloch.
Meine Bedenken ob der Weite und Länge waren unbegründet. Es passte einfach.

Jetzt ging es weiter mit .... dem Kragen.
Ja, so habe ich auch geguckt. In der Anleitung steht: "Den Kragen in der rückwärtigen Mitte schließen."

Es ist wirklich ein Kragen, es ist kein Fehler in der Übersetzung. Fast fertig genäht sieht die Bluse jetzt so aus:


Ich bin meilenweit von dem coolen und lässigen Look entfernt. Die Bluse wirkt trutschig, und ich weiß nicht, ob es am Stoff, am dem Wickeleffekt oder an diesem Möchte-Gern-Kragen liegt.


Auf alle Fälle gefällt es mir so nicht. Dadurch, dass ich den Kragen nicht richtig genäht habe, weil ich nicht davon ausgegangen bin, dass da ein Schalkragen hinkommt, klemmt es auch an der Schulternäht ziemlich.


Die Falte (roter Kreis) ist noch richtig, aber die schwarze Linie, die dann folgt .... das ist ne Vermutung. Vielleicht müsste ich abmessen, die Teile nochmal exakt zuschneiden.... aber bei dem Stoff ist das Auftrennen von Nähten nicht nur schwierig, es hinterlässt auch Spuren.
Außerdem hätte der Kragen verstärkt werden müssen, aber davon ist in der Anleitung nicht die Reden. Nur die Manschetten werden mit Bügeleinlage verstärkt.

Ich weiß noch nicht, was ich mit der Bluse mache. Es tut mir leid um den schönen Stoff, und den Schnitt finde ich auch nach wie vor super, aber beides zusammen entpuppt sich nicht gerade als Dreamteam. Auch weiß ich ja jetzt, was auf mich zukommt und worauf ich achten muss.

Fazit:
Die Bluse habe ich in Größe 38 zugeschnitten. Sie passt, aber sie ist auch nicht großartig auf Figur geschnitten. Die nächst größere eingezeichnete Größe wäre die 42, eine 40 muss man sich selbst herstellen.
Die knapp gehaltene Anleitung stört mich nicht weiter, aber inzwischen habe ich auch schon ein bisschen Erfahrung. Trotzdem helfe ich mir bei kniffeligen Stellen gerne mit anderen Anleitungen. Für Anfänger ist die Zeitschrift meiner Meinung nach überhaupt nicht geeignet. Man muss viel zu viel Backgroundwissen mitbringen. Zum Beispiel, dass der Kragen eingeschnitten werden muss - das wird mit keinem Wort erwähnt.

Bei Burda wird oft kritisiert, dass man auf den Fotos kaum was erkennt. Im Nachhinein muss ich sagen: Das ist hier auch so:

 
Aber wenn man sich die technische Zeichnung bei Burda ansieht, dann kann man alles sehr wohl erkennen. Bei den Nähtrens leider nicht.


Hier steht etwas von einem Smokingkragen, aber das habe ich natürlich überlesen. Ich gucke mir halt viel länger das Bild an, als dass ich den Text dazu lese.

Nichts desto trotz werde ich mir die nächste Ausgabe kaufen. Ich mag die Schnitte, und jetzt bin ich ja auch vorgewarnt.

Me made Mittwoch am 04.05.2016

Endlich.
Endlich ist der Frühling da. Und er scheint auch etwas länger bleiben zu wollen.
Ich bin so froh! Endlich kommen Hund und ich wieder trocken nach Hause. Kein Abtrocknen mehr, keine Pfotenabdrücke auf dem gerade frisch gewischten Boden, kein Wasserschaden im Flur, weil dieser sture Bock sich einfach draußen vor der Tür nicht schütteln will.

Na ja. Ist ja jetzt erstmal vorbei.
Und ich habe zum ersten Mal im Jahr einen Rock ohne Stiefel an.


Ich mag den Schnitt aus der Ottobre 2/2015 total gerne, der Rock sitzt gut und die Länge finde ich super.


Der Rock hat vorne eine Passe, die ich farblich nicht abgesetzt habe oder die Nähte mit Paspeln irgendwie sichtbar gemacht habe.


Was ich am Frühling auch gut finde, dass endlich die dunklen Jacken verschwinden. Winterklamotten sind immer so düster. Ich hatte mal als Kind eine gelbe Winterjacke mit knallbunten Würfeln drauf. Das weiß ich noch. Die fand ich echt super, aber weil ich immer so viel gegessen habe, bin ich schnell aus der Jacke rausgewachsen. Leider.


Ich habe zwar keine gelbe Jacke, aber der Mantel - immer noch verschlusslos - tut es auch. Wenn ich mir so die aktuellen Schnitten ansehen, ist verschlusslos zur Zeit eh ziemlich modern. Also fällt es gar nicht weiter auf, dass ich die Knöpfe immer noch in der Manteltasche habe, weil ich Schiss hab, mir das gute Stück mit missglückten Knopflöchern zu versauen.


Das Futter, an dem ich fast gescheitert bin, und der Mantel deswegen ja auch schon klinisch tot war, hat bis jetzt noch kein Mensch bemängelt. Na ja, meine Mutter vielleicht mal, aber sonst fällt es keinem auf. Der Schnitt ist übrigens die Nr. 123 aus der Burda 03/2011.

Und jetzt geht es rüber zum MeMadeMittwoch, wo uns heute Dodo in einem wunderschönen bunten Rock begrüßt, der mich ganz spontan an meine knallbunte Winterjacke erinnert. :)