Entstehungsgeschichte Juli-Kleid

Die Hose aus der Fashion Style ist gesäumt, gebügelt und tragbar - aber ich habe noch ein paar Sorgenfalten am Bund. Da muss ich mal gucken, welchen Kompromiss ich eingehen werde.

Bis dato halte ich Euch mit einer Entstehungsgeschichte auf dem Laufenden.
Aus der Juli-Ausgabe der Burda habe ich mir Kleid Nr. 116B ausgeguckt.


Die Schnittführung gefällt mir sehr und ich denke - ich hoffe - ich werde nicht wieder an meinem altbekannten Schuhproblem scheitern.

Los geht´s.

Der Zuschnitt war schonmal eine Katastrophe.

1. Habe ich eine neue Folie, die nichts taugt. Zu dünn. Klebt überall fest und lässt sich schlecht schneiden. Ich brauche unbedingt wieder meine alte Folie, sonst liegen meine Nerven schon blank, bevor ich mit dem Nähen überhaupt angefangen habe.

2. Das Kleid wird bei einfacher Stofflage zugeschnitten. Bedeutet, ich muss auf dem Boden rumrutschen, und das finden meinen 40jähigen Knie gar nicht mehr so lustig.

Deswegen war ich auch schludrig beim Übertragen der Schnittteile auf den Stoff. Das hat sich natürlich gerächt, aber dazu später mehr.

Nachdem ich dann also alle Teile zusammen und die Belege mit Bügelvlies verstärkt hatte, konnte ich endlich mit dem Nähen anfangen.

Die Überrockbahn wird rechts auf rechts gefaltet, dass die Besatzkanten aufeinander liegen. Ich zeige es mal am Schnittmuster, da kann man es besser erkennen.

 Schnittteil Überrockbahn
 
 So wird es gefaltet
 
 Und unten an der Spitze wird das genäht

Die NZ wird zurück- und unten an der Spitze schräg abgeschnitten, damit man dann einen schöne Ecke hat.



Nur noch bügeln, und das war es auch schon, was mit diesem Schnittteil passiert. Jetzt wird die Überrockbahn links auf rechts auf die vordere Rockbahn gelegt. Oben und rechts ist es bündig, somit liegt die Überrockbahn automatisch an der Anstoßlinie.


Weiter geht es mit dem Riegel, dem Schnittteil Nr. 4. Der wird rechts auf rechts gefaltet und die lange Kante wird zusammengenäht (man kann es kaum erkennen, aber es ist schon zusammengesteppt).


Lt. Anleitung wird der Riegel jetzt auf die vordere Rockbahn gelegt...


... genau zwischen den Markierungen....


... und soll an den schmalen Kanten festgeheftet werden, aber das habe ich mir geschenkt. 
Ich habe jetzt erstmal am Oberteil die Abnäher genäht und dann das Oberteil rechts auf rechts auf die Überrockbahn gelegt.

Die obere Kante wird gesteppt, und zwar genau bis zur Anstoßlinie. Keinen Millimeter davor oder danach - genau auf den Punkt. Ich markiere mir das mit einer Nadel.

Kann man das erkennen? Das ist ein bisschen unscharf, aber an der Stelle, wo ich den Stoff vom Oberteil zurückziehe, da liegt die Überrockbahn. Und darunter das Vorderteil. 

Nach dem Steppen wird eingeschnitten. Das habe ich immer gehasst, weil ich Angst hatte, an der falschen Stelle den Schnitt zu machen, aber ohne Einschneiden geht es leider nicht.

Eingeschnitten wird nur das Vorderteil in der Ecke bis zur Naht. Bis zu dem Punkt, den ich mir vorher mit der Nadel markiert habe. Das hat den charmanten Effekt, dass ich jetzt am Vorderteil wieder eine komplette NZ habe, an der ich ganz bequem mein Oberteil festnähen kann.

Aber bevor ich das mache, kommt natürlich noch der Riegel dazwischen. 


Hier habe ich übrigens gemerkt, dass ich nicht so sauber und akkurat zugeschnitten habe. Meine Nahtzugabe vom Oberteil war etwas knapp und es war ziemlich kniffelig, von der Ecke raus bis hoch zum Armloch zu nähen, aber es ging. 

Prinzipiell ist bei diesem Arbeitsschritt ein bisschen Geduld und Spucke gefragt. Damit es am Ende auch wirklich ordentlich aussieht, muss tief genug - nämlich bis genau vor die Naht - eingeschnitten werden, man muss die Teile in die Hand nehmen und ein bisschen "zurechtschütteln", damit der Stoff wirklich glatt liegt, denn nur so bekommt man eine saubere Ecke hin. Und man darf wirklich keinen Stich zu viel machen, sonst klemmt es.

Hier habe ich nochmal einen Extra-Post zum Thema "Ecken nähen".

Nach dieser schwierigen Passage geht es jetzt erstmal etwas ruhiger weiter.

An den Rückenteilen und an den rückwärtigen Rockteilen werden die Abnäher gesteppt und anschließend werden die Teile zusammengenäht. Hier wird extra die Nahtzahl 3 erwähnt. Früher hat mich das extrem irritiert, aber inzwischen weiß ich, dass das nur ein freundlicher Hinweis ist, damit man wirklich darauf achtet, die richtigen Teile zusammenzunähen. Ich male die Nahtzahl übrigens immer noch mit ab.
Nur für den Fall der Fälle :)

Dann kommt der Reißverschluss (der mir dieses Mal nicht so gut gelungen ist, aber dank des Musters wird es kein Mensch sehen) und die rückwärtige Mittelnaht wird geschlossen.

Die nächste Hürde sind die Belege. Aber dafür mache ich einen neuen Post.
Also, bleibt dran und erfahrt, warum der Kochlöffel aus dem Nähzimmer verschwindet. Und wie das Kleid fertig gestellt wird.  

Aber was ich mit der Hose mache... ich weiß es immer noch nicht.

Kommentare:

  1. Sehr schöner Stoff und tolle Fotos, die die Arbeitsschritte erklären. Ich drücke die Daumen für weiterhin gutes Gelingen! LG Kuestensocke

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  2. Bin gespannt. Der Schnitt gefällt mir auch.

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  3. Einen sehr schönen und interessanten Schnitt hast du dir ausgesucht und deine Nähschule gefällt mir ausnehmend gut, : ). Den ein oder anderen Kniff kann man immer mitnehmen, wenn man die Nähschritte so schön gezeigt bekommt.
    Ich bin schon sehr gespannt, wie das Modell in deinem Blumenstoff wirken wird.
    LG von Susanne

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  4. Das sieht alles sehr schön und ordentlich aus. Der Schnitt ist wirklich sehr raffiniert und ich finde es spannend, dass du ihn mit einem floralen Muster kombinierst. Dadurch bekommt das fertige Kleid eine komplett andere Richtung. Bin gespannt. LG Carola

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Vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich freue mich sehr darüber!