Wie entsteht der Juli-Schnitt, Teil II

Bei Burda gibt es ja diese "Kochlöffelmethode" - das Zusammennähen von ärmellosen Oberteilen, die mit einem Beleg abgefüttert sind.

Erfahrene Näherinnen verleiern die Augen, wenn sie von dieser Methode hören, legen die Anleitung der Burda beiseite und machen es anders. Das Ergebnis ist das gleiche, und vielleicht sind andere Lösungswege auch einfacher, aber ich wollte wissen, wie die Burda das meint.

Bevor YouTube, Facebook und Co. das Denken für uns übernommen haben, und man nur mal kurz googlen musste, um zig Lösungen zu sehen, blieb einem nix anderes übrig, als Step für Step das zu tun, was in der Anleitung steht.

Und das ist folgendes:

Die Besätze werden rechts auf rechts auf die Vorder- und Rückenteile gesteckt.
Am Reißverschlussschlitz mache ich folgendes (habe ich im Kurs bei Waldi gelernt):


Der Reißverschluss bleibt genau so, wie er ist, und der Besatz wird einfach um den RV rumgewickelt.

So sieht das von hinten aus.
Und ganz vorne - nicht da, wo die Nadel stickt, sondern wirklich ganz vorne - wird mit dem Nähen begonnen. Schön an den Ausschnittkanten entlang, und beendet wird die Naht hier:

2 cm vor der Schulternaht, sprich 3,5 cm im Stoff, wenn man die NZ noch berücksichtigt. Man kann auch vier Zentimeter vorher aufhören, aber diese 2 cm unterhalb der Schulternaht, die sollten es schon sein. Überall, bei den Vorder- und Rückenteilen.

Die Nahtzugaben werden zurück- und in den Rundungen eingeschnitten - bis dicht an die Naht.



Die NZ schneide ich übrigens nur da zurück, wo ich genäht habe. 


Wo jetzt noch keine Naht ist, kommt gleich eine hin, und dann würde mir die NZ fehlen.


Am Vorderteil wird bis in die Spitze eingeschnitten. Scharfe Augen erkennen die zwei Stiche, die zu viel sind. Das habe ich auch erst auf dem Foto gesehen, und danach habe ich die Stiche aufgetrennt, sonst lässt sich nämlich der Besatz nicht wenden - es klemmt, wenn man bei so was nicht auf den Punkt genau näht.

Also, der Besatz vom Vorderteil wird jetzt gewendet, der Besatz auf dem Rückenteil bleibt so. Das Vorderteil wird zwischen die Besätze vom Rückenteil geschoben.

Kann man das erkennen? Das Vorderteil ist zwischen die noch nicht gewendeten Besätze vom Rückenteil geschoben, die offenen Kanten von den Trägern liegen oben zusammen, rechts auf rechts.


Jetzt wird die Schulternaht gesteppt. Je mehr Platz man unterhalb der Schulternaht gelassen hat, desto mehr Stoff kann man zurückschlagen.


Es werden vier Schulternähte gesteppt, danach wird der innenliegende Stoff noch ein Stück nach oben gezogen.


Jetzt kann man auch erkennen, wofür ich die NZ habe stehen lassen. Denn genau dort wird jetzt der Stoff zusammengenäht.


Bei meinem Stoff funktionierte es auch ohne Hilfsmittel, aber wer möchte, kann durch die noch offene Stelle einen Kochlöffel schieben, und so die NZ auseinander bügeln. Er kommt also immer noch zum Einsatz, und ich weiß, dass er bei einigen Stoffen Gold wert ist.

Nachdem die letzten Öffnungen nun geschlossen sind, wird alles gewendet und gebügelt.
Danach sieht das Kleid dann so aus:


Jetzt nur noch schnell die Seitennähte schließen! 
Dazu müssen die Teile natürlich erstmal übereinander gelegt werden....


 ... und die Besätze werden nach oben gelegt. Dann wird wie folgt genäht:


Erst die Besätze, Nadel bleibt im Stoff, Füßchen hoch, Stoff drehen, Füßchen runter, und dann die Seitennaht schließen. 

Fertig!





Teil I zu dieser Entstehungsgeschichte findet ihr hier.
Tragefotos sind noch nicht gemacht, genauso wenig wie von meiner Hose. Beide Teile hängen aber schon bereit für den Fototermin am Schrank.

Verlinkt beim creadienstag

Kommentare:

  1. Ich verstürze ärmellose Kleider immer nach einem Tutorial vom Washi Dress. Es gibt vier Videos dazu, alles wird darin ganz genau gezeigt. Das "Gefummel" an den Schulternnähten bleibt einem dabei erspart. Eine geniale Methode, leider habe ich sie noch nie in einem Nähbuch entdeckt. Einfach mal in Google eingeben: washi dress bodice lining.

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    1. so in etwa hab ich in meinem tutorial auch gezeigt. das ist die professionelle methode. das kann vermutlich auch der grund sein,warum es nicht in den bücher steht. die kochlöffelmethode ist mehr für hausgebrauch. man kann sich ja nicht vorstellen,dass jemand in china in einer Fabric mit kochlöffel die träger macht.
      im übrigen. im video von washi-dress- das funktioniert aber nciht bei sehr dünnen träger! denn das kleid muss ja drin liegen.

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    2. Also ich habe jetzt gerade ein Kleid genäht mit 5 cm breiten Trägern. Da ging die Washi-methode noch sehr gut. Aber es stimmt, mit ganz schmalen Trägern würde diese Methode nicht funktionieren. Aber die kommen für mich auch nicht in Frage. Ich bin aber immer wieder aufs neue von der Methode angetan.
      Hier noch ein einfacherer Link, der dieses Vorgehen auch gut beschreibt:
      www.ajennuinelife.com/2015/03/video-tutorial-sewing-a-fully-lined-bodice-with-no-closures.html

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  2. Die berühmt-berüchtigte Kochlöffelmethode; mit deiner Schritt-für-Schrittanleitung jetzt nie wieder ein Problem, : ).
    Ich freue mich schon auf Tragebilder.
    LG von Susanne

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  3. Super erklärt! Vielen vielen Dank! Ich hoffe, ich kann es auch mal ein- und umsetzen. LG von Mrs Go

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Vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich freue mich sehr darüber!